… oder warum die Antwort schon wieder Taiji lautet

Mir war der Verdacht schon lange gekommen. Wenn ich lange mit meinem Smartphone im Café gesessen habe, wenn ich im Zug meine Mails via Smartphone erledigt habe, wenn ich mir in einer Warteschlange die Zeit durch Lesen via Smartphone vertrieben habe – am Ende hatte ich immer Nackenschmerzen und ein extremes Klemmgefühl, wenn ich den Kopf mit leichter Dehnung von rechts nach links gedreht habe.

Schwerer Kopf

So ein Kopf ist an sich schon nicht leicht und wiegt zwischen viereinhalb und fünfeinhalb Kilogramm. Wird er gerade gehalten – Kinn parallel zum Boden und leicht nach hinten gezogen, Blick geradeaus, d.h. entspannte, gerade Wirbelsäulenposition, trägt die gesamte Wirbelsäule dieses Gewicht. Je weiter der Kopf nach vorne gebeugt wird, desto mehr verschlechtern sich die Hebelverhältnisse und wird die Halswirbelsäule belastet. Bei der typischen Schreibhaltung am Smartphone ist der Kopf um 45% gebeugt und belastet die Halswirbelsäule mit ungefähr 20 Kilogramm.

Natürlich beugt man den Kopf beim Lesen eines Buches auch, aber da wir meistens doch recht gebannt auf das Display starren, fallen auch die Ausgleichsbewegungen z.B. durch lockeres Aufschauen und Kopfdrehen mit dem Ziel die Umgebung wahrzunehmen, weg.

Generation Z? Nö, eher Generation HWS

Die Langzeitschäden von intensiver Smartphone-Nutzung auf Kopf und Gehirn sind natürlich noch nicht untersucht, weil es Smartphones so lange noch gar nicht gibt. Dass langes Sitzen am Schreibtisch und besonders am Computer vermehrt Probleme mit der Lendenwirbelsäule und den Schultern mit sich bringt, lässt sich bei der Generation B (Bandscheibenvorfall), die von 35 bis 70 Jahre reicht, schon länger konstatieren.

Dass da eine Generation HWS (mit HalsWirbelSäulen-Problemen) entsteht, ist abzusehen. Die Warnhinweise auf Smartphones fehlen bisher – „Smarthone-Nutzung fügt Ihnen und Ihrer HWS erheblichen Schaden zu“.

Hoch erhobenen Hauptes

Verträglicher für die Halswirbelsäule wäre also eine Haltung, wie sie beim klassischen Selfie typisch ist – hoch erhobenen Hauptes in das Smartphone schauen. Ob diese Handhaltung nun aber den Schultern so sehr zuträglich ist, wage ich zu bezweifeln.

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Die Entwicklung der webagentin zum mobilen homo sapiens

Da hilft keine Gesundheitsapp und wenn dann nur eine solche, die das Smartphone nach einer gewissen Nutzungsdauer – die ja per Kamera überwacht werden könnte – automatisch ausschaltet oder auf den Telefonmodus reduziert und die erneute Nutzung erst nach einer Zwangspause erlaubt. Bis dahin müssen sich Nutzerinnen konservativ manuell behelfen: abschalten, einpacken und bewegen. Den Kopf und möglichst viele andere Körperteile.

Womit wir schon wieder beim Taiji wären. Wahlweise auch beim Qigong oder beim Yoga oder beim Tanzen. Offensichtlich eine Antwort auf ziemlich viele Fragen, die die mobile Informationsgesellschaft so mit sich bringt… (siehe hier oder hier oder hier oder hier oder auch hier).

(Beitragsfoto oben aus der Studie von KENNETH K. HANSRAJ zur Auswirkung von Smartphone-Nutzung auf die Halswirbelsäule.)

 

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