Learntec in Karlsruhe

Von der Last des LebensLangen Lernens

Als die webagentin mit dem Geschäftsfeld Weiterbildung stehe ich dauernd vor der Herausforderung, mir neues Wissen zu erarbeiten. D.h. ich muss Trends verfolgen, wichtige Veränderungen und Entwicklungen der Arbeitswelt erkennen und mein Weiterbildungsangebot entsprechend anpassen.

Da Wissen immer schneller veraltet und technische Entwicklungen sich mehr und mehr beschleunigen, neige ich an schlechten Tagen dazu, mich von dieser Aufgabe überfordert zu fühlen und wünsche mir immer wieder, es möge doch bitte nichts Neues mehr passieren. Lange habe ich dieses wachsende Bedürfnis meinem fortschreitenden Alter zugeschrieben – mein Hirn wird immer voller, da ist nicht mehr so viel Platz für immer wieder neues Wissen, zumal meine Gehirnzellen wahrscheinlich allmählich langsamer arbeiten.

Exponentielles Wachstum des WeltWeiten Wissens

Das ist falsch, wie ich heute in einer Vortragsreihe „Altersgerechtes Lernen für Generationen Y bis 50+“ auf der Learntec gelernt habe. Zumindest ist es nicht nur richtig. Tatsächlich würde es mir nicht anders gehen, würde ich nicht älter werden. Denn das weltweite Wissen wächst exponentiell. Dabei wird unter Wissen einfach die Menge der weltweit vorhandenen Informationen verstanden, worüber man natürlich streiten kann. Momentan verdoppelt sich dieses Wissen etwa alle ein bis zwei Jahre, während vermutet wird, dass sich das Wissen nach Christi Geburt nach 1600 Jahren das erste Mal verdoppelt hatte. Wird das Internet der Dinge erst einmal in den Alltag eingezogen sein, ist mit einer täglichen Verdopplung der weltweit vorhandenen Informationsmenge zu rechnen.

Es ist also allemal unmöglich mit einem kleinen menschlichen Gehirn mit dem Wachstum des Wissens Schritt zu halten. Vorhandene Information bringt zwangsläufig neue Informationen hervor und so wird dieses Wachstum so schnell auch nicht rückläufig werden.

Curation is King

Lernen kann also weniger denn je die persönliche Ansammlung von Wissen bedeuten, sondern immer mehr die Fähigkeit des Priorisierens, des Ordnens und des Selektierens  – Contet Curation im Gehirn. Das sind Fähigkeiten, die mit dem Alter zunehmen können. Nicht automatisch, sondern der Not gehorchend. Die mechanische Intelligenz, die uns befähigt, Wissen aufzunehmen, zu verstehen und zu speichern, nimmt im Alter tatsächlich ab. Wer das ausgleichen möchte, muss seine Fähigkeit, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu unterscheiden, ausbauen. Wesentlich ist das Wissen, das ich benötige, um meine eigene Handlungsfähigkeit, sei es die berufliche, die private, die politische oder die emotionale aufrecht zu erhalten oder zu stärken. Tatsächlich ist solcher Pragmatismus, der darauf fußt, die Spreu vom Weizen trennen zu können, eine Fähigkeit, die sehr stark von Lebenserfahrung genährt wird. Und Lebenserfahrung wächst tatsächlich fast automatisch mit zunehmendem Alter.

Prozesse des Alterns als didaktische Methoden nutzbar machen

Curation-Kompetenz wird also als berufliche Qualifikation immer wichtiger und ist eine Fähigkeit, die ältere Menschen jüngeren Menschen oft voraus haben. Würde man also zur der Entwicklung neuer didaktischer Methoden detailliert erforschen, wie und durch welche Faktoren die Curation-Kompetenz im Prozess des Älter-Werdens  zunimmt, könnte man daraus vielleicht die didaktischen Modelle entwickeln, die junge und kommende Generationen befähigen, trotz des weltweiten exponentiellen Wissenswachstums, handlungsfähig zu bleiben.

An dem Forschungsprojekt würde ich mich gern beteiligen!

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