Ungewohnte Namen von Heldinnen galt es gestern zu lernen: Ayumi Kaihori, die zwei Elfmeter hielt, Saki Kumagai, die den ihren im linken oberen Eck platzierte, als habe sie den Ball mit dem Bogen abgeschossen, und natürlich Homare Sawa, der Star der WM, beste Spielerin, fairste Spielerin und Torschützenkönigin des Turniers. Ich habe noch keine Statistiken gelesen, aber ich bin sicher, dass – trotz der roten Karte gestern gegen Iwashimizu – Japan eines der fairsten Teams er WM war. Im Viertelfinale gegen Deutschland hätte Japan nach dem Tor auf Zeit spielen können, das taten sie nicht, sie spielten einfach ihr Spiel weiter. Auch nach Fehlentscheidungen von Schiedsrichterinnen meckerten Japanerinnen nie, sie spielten einfach ihr Spiel weiter.

Womit wir auf den Kern des japanischen Erfolgs angekommen sind – die spielten einfach immer ihr Spiel weiter. Gegen die USA: 1:0 für die USA in der 69. Minute und die Japanerinnen spielten einfach ihr Spiel weiter, hartnäckig in den Zweikämpfen, geduldig ein Versuch nach dem anderen, eine Balleroberung nach der anderen, kaum Ärger über Ballverluste, Fehlpässe, ausgelassene Chancen. Aufregung? – unnötige Anstrengung. Ärger? – Energieverschwendung. Schuldzuweisungen? – Konzentrationskiller. 20cm größere Gegnerinnen? – Ball flach halten. Raumaufteilung, Spielanlage, Ausdauer, Technik waren brilliant effizient. Doch wirklich beeindruckend ist die mentale Einstellung der Japanerinnen. Als würden sie jedes Training mit einer halben Stunde Meditation beginnen.

Bleib gelassen und mach dein Ding. Ein Gegentor ist, sobald es gefallen ist, Vergangenheit und schafft eine neue Situation. Denk nicht über das Tor nach, sondern stell dich auf die neue Situation ein. Bewerte nicht die Vergangenheit sondern meistere die Gegenwart.

die webagentin verneigt sich – so viel habe ich noch nie von einem Weltmeister gelernt.

 

Zen oder die Kunst des Elfmeter-Schießens – 世界チャンピオン
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9 thoughts on “Zen oder die Kunst des Elfmeter-Schießens – 世界チャンピオン

  • 18. Juli 2011 um 12:22
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    „Aufregung? – unnötige Anstrengung. Ärger? – Energieverschwendung. Schuldzuweisungen? – Konzentrationskiller. 20cm größere Gegnerinnen? – Ball flach halten.“ Danke für die feine Kurzfassung der so einfachen wie genialen Spielregeln! Die Belohnung für die Beherzigung ist großartig, wie gesehen: Goldregen!

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  • 18. Juli 2011 um 13:05
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    Wunderbar geschrieben.
    Werde ich mir zur Motivation an die Pinnwand hängen: „… Bleib gelassen und mach dein Ding. Ein Gegentor ist, sobald es gefallen ist, Vergangenheit und schafft eine neue Situation.“

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  • 18. Juli 2011 um 18:00
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    Silke, du hast es auf den Punkt gebracht. Ich fand das Spiel der Japanerinnen auch sehr sehr faszinierend!Sie haben sich einfach nicht aus der Ruhe bringen lassen. Respekt!

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  • 20. Juli 2011 um 16:43
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    Sehr sehr sehr gut für die Motivation zu lesen…
    es war auch einfach super klasse, wie die japanerinnen in wm gekämpft haben. sie werden sicherlich nicht nie aufgeben …Reden ist Silber, Schweigen ist Gold …
    sie waren nicht nur Weltmeister geworden, sondern auch mein Herz gewonnen …. 🙂

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  • 20. Juli 2011 um 21:25
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    Herrlich!

    Du hast es bestens in Worte gefasst! 😉

    Ich war in Bochum vs. Neuseeland zugegen. Da haben sie die Kiwis so müde gelaufen, daß diese sich gegen Ende des Spiels dehnen mussten. Ich war in Leverkusen vs. Mexiko wo ich einen schönen Nachmittag verbrachte und mir 70 Minuten keine Sorgen zu machen brauchte, daß dieses Ding noch verloren geht. Da tänzelten sie sich ins Viertelfinale.
    Kurzentschlossen war ich dann in Frankfurt beim Halbfinale vs. Schweden und da spielten sie unaufgeregt nach dem 0:1 einfach ihr Ding weiter. Und nach dem 2:1 wusste ich, daß sie sich ins Finale zirkuliert hatten. Und wie abgezockt sie dieses Spiel über die Zeit gebracht haben. Ganz einfach ihr Ding weitergespielt. Ich hab an dem Abend perfekten modernen Fußball erleben dürfen. Sie sind zurecht Weltmeister geworden 😉 .

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    • 21. Juli 2011 um 10:57
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      Richtig, sehr moderner Fußball – zumal ja immer die Rede davon war, dass die Japanerinnen mit ihrer durchschnittlichen Körpergröße von 1,65 m keine Chance haben. Mal abgesehen davon, dass sie gegen die USA sogar Kopfballduelle en masse gewonnen haben, habe ich selten ein Team gesehen, dass in der Verteidigung ein so hervorragendes Stellungsspiel gemacht hat und über den ganzen Platz eine fast perfekte Raumaufteilung hatte. Ich habe sie leider nie live gesehen.

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  • 21. Juli 2011 um 6:40
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    .. nicht nur die wartung der motorräder gelingt besser, wenn man den tag mit zen beginnt. was ich bei den japanischen fußballerinnen für durchaus wahrscheinlich halte.

    ein wirklich schöner text. danke dafür!

    lg
    fs

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