Was Gretchen nicht lernt, lernt Grete heute immerzu

Es ist schon eine reichlich abgedroschene Phrase: Das WWW und die Digitalisierung der Arbeitswelt stellen an den Großteil der berufstätigen Menschen die Anforderung des LLL, des LebensLangen Lernens. Das gilt umso mehr für die Buchbranche, in der nicht nur die Arbeitsprozesse vom Manuskript bis zur Herstellung über PR, Vertrieb und Marketing von der Digitalisierung betroffen sind. Auch das Produkt selbst, das Buch wird zunehmend ein Digitales, dessen diverse zukünftige Erscheinungsformen gegenwärtig nur geahnt oder visioniert werden können.

Lebenslanges Lernen im analogen und im digitalen Zeitalter

Natürlich ist lebenslanges Lernen keine Erfindung des digitalen Zeitalters. Schon immer und überall haben Menschen durch Erfahrung, Übung, wachsende Weisheit, Älterwerden und dessen lebensverändernde Begleiterscheinungen dazugelernt und ihren Wissenschatz erweitert. Künstler, Handwerker, Ärzte, Bauern, Lehrer und Erziehende lernten und lernen ihr Metier ein Leben lang immer besser beherrschen und die richtigen Prioritäten zu setzen. Im Bestfall konnten sie allein aus einem wachsenden Erfahrungsschatz heraus immer treffsicherer in jeder Situation die richtige Entscheidung treffen.

Die Gesamtmenge des beruflichen Wissens war relativ klar umrissen und bis weit ins 20. Jahrhundert, so könnte man sagen, war lebenslanges Lernen eine natürliche Begleiterscheinung des Älterwerdens im Beruf. Kontinuierliche Berufstätigkeit, Engagement und Offenheit für neue Erfahrungen  vorausgesetzt.

Wissen im Wandel

In den letzten 20 Jahren und besonders intensiv in den letzten 10 Jahren hat hier ein grundlegender Paradigmenwechsel stattgefunden. Niemand mehr weiß, was er in drei Jahren wird lernen müssen. Mehr noch: das Wissen, das in drei oder in fünf oder in zehn Jahren unabdingbare Voraussetzung für viele Arbeitsplätze z.B. in Verlagen sein wird, gibt es heute noch gar nicht. Und das Wissen, das sich eine Verlagsmitarbeiterin heute aneignet, kann in drei, in fünf, in zehn Jahren weitgehend hinfällig und überflüssig sein.

Der Wert jahrelanger beruflicher Erfahrung besteht demnach immer mehr in Schlüsselkompetenzen – Teamfähigkeit, soziale Kompetenzen, Stressbewältigungsstrategien, Motivation und vor allem Lernbereitschaft in jeder Hinsicht. Fachliche Kompetenzen hingegen sind zunehmend geprägt von einer tendenziell schrumpfenden Halbwertszeit.

Was bedeutet das für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Verlagen und anderen Unternehmen der Buchbranche?
Wie können Lernformen aussehen, die berufsbegleitend eine permanente (technische) Weiterbildung ermöglichen?
Muss es nicht zwangläufig zu Überforderung und BurnOut-Syndromen führen, wenn das Wissen von gestern heute wertlos ist – und diese Situation nicht nur einmal in einer berflichen Biographie eintritt?
Kann Lernen auch dann Spaß machen?
Ist sich die Buchbranche dieser Situation bewusst – gibt es Best Practice Beispiele?

Das sind die Fragen und Themen der Podiumsveranstaltung:

Digital, kollaborativ und stets innovativ – Lernen und Arbeiten in der Buchbranche
Veranstaltung der BücherFrauen e.V. – Women in Publishing
Frankfurter Buchmesse, Halle 4.0 D 1362
Samstag, 30.10.2012, 13 Uhr

Es diskutieren:
Brigitte Borgmann, Junior-Beraterin bei Bommersheim Consulting mit digitaler Expertise, in der Personalberatung vorwiegend mit „Digital Natives“ und jungen Fachkräften im Gespräch;
Silke Buttgereit, Gründerin der BücherFrauen-Online-Akademie, E-Learning-Coach und webagentin;
Katja Splichal, Diplombuchhandelswirtin und Marketingleiterin bei der PaperC GmbH.
Moderation: Katharina Gerhardt, freie Lektorin, Universitätsdozentin und BücherFrau.

 

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4 thoughts on “Digital, kollaborativ und stets innovativ – Lernen und Arbeiten in der Buchbranche

  • 16. Oktober 2012 um 20:56
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    Das war eine gute Veranstaltung am Samstag. Das beeindruckendste Deine schöne Bluse in BücherFrauen blau! So schön!

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  • 11. Dezember 2012 um 21:34
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    Das war ja auch ein sehr diskussionsstark besetztes Podium mit interessanten Einsichten, die mich neugierig gemacht haben auf das LLL im WWW.

    Antworten
    • 12. Dezember 2012 um 12:04
      Permalink

      So ist es ja auch immer am Besten – ich lerne auch am liebsten bei Kursen, die ich selbst gebe oder bei Veranstaltungen, die ich selbst moderiere!

      Antworten

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