8 Uhr abends. Es ist noch hell, nordischer Sommer. Gerade habe ich ein gutes Pfund weißen Spargel gespeist, Pellkartoffeln dazu und ein Glas Riesling. Die Franzosen haben just zwei Tore gegen die Ukraine geschossen. Herrliche 21 °C, ein leichter Wind – wie ich das vermisst habe. Nach gut drei Monaten nachhause zu kommen ist wunderbar und heimtückisch zugleich. Wunderbar, ein Zuhause zu haben, ein wenig beklemmend das schnell sich einstellende Gefühl, nie weggewesen zu sein.

Ich bin so müde, dass ich darüber aber kaum nachdenken kann – toll, weil müde die Sinne besser funktionieren als das Hirn. Ich mag den Geruch meines Waschmittels hier, die Farbe des Himmels, der jetzt am Abend immer klarer wird. Auf der anderen Straßenseite sitzen Menschen vor einer Kneipe, die gestern wahrscheinlich noch keine war, manchmal mag ich Berlin Neukölln. Schießt Frankreich ein Tor, werden Feuerwerkskörper gezündet, würde die Ukraine treffen, wäre es nicht anders. Tut sie aber nicht.

Gestern Abend in Taipei hatte ich eine letzte Lehrstunde im Taiji Daoguan, direkt von dort holte mich das Taxi ab und fuhr mich zum Flughafen. Meine letzte Lektion in der Fächerform, eine Herausforderung für mich, weil der Fächer viele Tanzelemente hat und ich immer mehr Kämpferin als Tänzerin war. Aber nichts muss bleiben wie es ist.

Auch das ist wunderbar und heimtückisch zugleich. Das Leben eben. Willkommen in Berlin.

 Taiji-Fächer

Taiji comes together, Return to the Origin – Berlin
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