Lernen findet vor allem im beruflichen Alltag statt

70-20-10? Nein – das sind nicht meine neuen Körpermaße.

70-20-10 sind Richtzahlen, wie normalerweise im beruflichen Alltag gelernt wird:

  • 70% Lernen im Job – Machen, Ausprobieren, Erfahrung
  • 20% Soziales Lernen – Kommunikation, Fragen, Antworten, Austausch
  • 10% Klassisches Lernen – Weiterbildungen, Lesen

Budget-Probleme

Ich befinde mich gerade auf der Konferenz zur Learntec, der Messe für „Lernen mit IT“ in Karlsruhe. Klar, es liegt in der Natur der Sache, dass hier vor allem über die 10 aus 70-20-10 gesprochen wird.

Vertreter von Audi, Lufthansa, SAP, Microsoft über Software, Strategien, Praxis des IT-gestützten Lernens in ihren Unternehmen sprechen zu hören, ist natürlich beeindruckend.  Serious Games, Gamification, Mobile Learning – toll. Die Erkenntnis, dass Lernen nicht weh tun muss, dass gute Lernumgebungen nicht nur zum Lernen, sondern erfolgreiches Lernen vor allem auch für den Job motiviert, ist hier flächendeckend angekommen.

Wenn ich nun an meine Branche denke, die der Verlage und der Bücher, könnte ich allerdings mit dieser Erkenntnis schon abreisen – aus Mangel an Budget sind die hier gewonnen Erkenntnisse dort nicht verwertbar oder umsetzbar.

Wie lernt die Buchbranche?

Deswegen ist das Thema Weiterbildung auch in der Verlagsbranche nicht weniger brennend, insbesondere sobald man dort die Welt der wenigen Konzerne auf dem Markt verlässt und sich die 1000en mittleren und kleinen Verlage anschaut. Technische Neuerungen, die im Vertrieb und damit am Ende auch in der Produktentwicklung erdrutschartige Veränderungen nach sich ziehen, häufig ein Alterschnitt der Mitarbeiter/innen weit jenseits der 40, keine digital Natives, unternehmerisch und technisch oft höchst konservativ denkende Führungsetagen, Budgets, die den Einkauf von technisch versierten Fachkräften oft nicht erlauben – wer in der Branche überleben möchte, muss seine Mitarbeiter/innen in den nächsten Jahren permanent technisch und vertrieblich weiterbilden und motivieren.

Dabei kann es sich kaum ein Unternehmen der Buchbranche leisten, das gesamte Budget in klassische Weiterbildungen – ob inner- oder außerbetrieblich zu investieren, wenn damit nur 10% der Lernressourcen einer Mitarbeiterin ausgeschöpft werden – denn das bedeutet 70-20-10 im Umkehrschluss.

70% des beruflichen Lernens findet direkt im Job statt. Und viele Unternehmen, gerade der Verlagsbranche, steuern auf echte Wissensdefizite zu. Ausgeräumt werden können diese in großem Rahmen nur durch die Mitarbeiter/innen. 70% des Wegs zu diesem Erfolg führen also über den Arbeitsalltag.

Erfolgsrezept Lust auf Veränderung

Wer Weiterbildung ernst meint, muss somit zuerst den Arbeitsalltag offen für Lernsituationen gestalten und Tools – ob nun via E-Learning oder analog, anonym oder persönlich – anbieten, die dort greifen. Jede Arbeitssituation ist eine Lernsituation, eine Situation potenzieller Veränderung.

Die Frage ist also nicht zuerst, wie Weiterbildungen am besten organisiert werden können, sondern vor allem, wie ein Arbeitsumfeld geschaffen werden kann, das Veränderungen positiv besetzt.

In der oft eher konservativ organisierten Unternehmen der Buchbranche ist das eine echte Herausforderung – und eine echte Chance, Wege zur finanzierbaren Weiterbildung auch für kleinere Unternehmen zu bahnen.

 

 

 

 

Markiert in:            

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich stimme der Speicherung und Verarbeitung meiner Daten nach der EU-DSGVO zu und akzeptiere die Datenschutzbedingungen.