Wollte nicht der Frühling kommen?
War nicht schon die weiße Decke
von dem Rasenplatz genommen
gegenüber an der Ecke?
Nebenan die schwarze Linde
ließ sogar schon (sollt ich denken)
von besonntem Märzenwinde
kleine,  grüne Knospen schwenken.
In die Herzen kam ein Hoffen,
in die Augen kam ein Flüstern  –
und man ließ den Mantel offen,
und man blähte weit die Nüstern  …

Ja,  es waren schöne Tage.
Doch sie haben uns betrogen.
Frost und Sturm und Schnupfenplage
sind schon wieder eingezogen.
Zugeknöpft bis an den Kiefer
flieht der Mensch die Gottesfluren,
wo ein gelblichweißer,  tiefer
Schnee versteckt die Frühlingsspuren.
Sturmwind pfeift um nackte Zweige,
und der Rasenplatz ist schlammig.
In mein Los ergeben neige
ich das Auge.  Gottverdammich!

(Erich Mühsam 1878-1934: „Wollte nicht der Frühling kommen?“, zitiert nach http://www.gedichte.levrai.de/fruehlingsgedichte.htm)

Nein, Gedichte schreiben werden Sie bei uns wohl nicht lernen – aber Storytelling in Texten für das Selbstmarketing. Für alle Frühlingshungrigen mit verlängertem Frühbucherrabatt bis Ostermontag.

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Wollte nicht der Frühling kommen?
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2 thoughts on “Wollte nicht der Frühling kommen?

  • 26. März 2013 um 17:17
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    wenn ein anderer so schöne und passende Worte findet ist es gleich ein wenig besser zu ertragen, vielen Dank

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