Ich verstehe die Aufregung nicht. Apple speichert Bewegungsdaten von iPhone-Nutzern, so stellte sich vor wenigen Tagen heraus, der Süddeutschen Zeitung war das sogar den Ostersamstäglichen Aufmacher (Print) wert. Und prompt stellte sich heraus: Auch Google speichert die Bewegungsdaten von Android-Nutzern. Hätte irgendjemand ernsthaft etwas anderes vermutet? Dass Google und Apple dieses Datengold einfach so liegen lassen und sagen, schön, dass ihr unsere Bewegungsmelder nutzt, die Daten, die dabei generiert werden, interessieren uns aber nicht?

Die wichtigste Währung in Internet sind und bleiben Daten. Lange ging es dabei in der Hauptsache um persönliche Daten wie Alter, Geschlecht, Interessen und alles, was Internet-Nutzer via Clicks, Suchanfragen und Posts über sich verraten haben. Dafür bekommen sie von Google eine hervorragende Suchmaschine, von Facebook ein imponierendes Soziales Netzwerk etc. zur Verfügung gestellt. Services, die kein Geld, sondern Daten kosten. Im Prinzip ein fairer Handel, oder? Gut, Google, Facebook, Apple etc. könnten einen transparenter wissen lassen, welche Daten sie speichern. Wer dieses Kleingedruckte dann tatsächlich lesen würde, ist eine andere Frage. Aber gut zu wissen, dass man könnte.

In den letzten Jahren und durch die höhere Verbreitung von Navigationsgeräten (ja, die auch! Navigationsgeräte und -Software Hersteller TomTom verkauft seine Daten in den Niederlanden sogar an die Polizei, damit die leichter feststellen kann, wo sich Radarfallen lohnen) und Smartphones sind zu den persönlichen Daten vor allem Bewegungsdaten hinzugekommen, die zukünftig ganz neue Formen von Werbung – aber auch von nützlichen Services – ermöglichen.

Vielleicht ist es einfach so – you’ll never walk alone – und zukünftig wird mein aktueller Aufenthaltsort zu keinem Zeitpunkt ein Geheimnis. Eine ganze Menge Wörter werden damit eine Bedeutungsverschiebung erfahren: Verstecken, Einsamkeit, Geheimnis, Rückzug, inkognito usw. Diese Entwicklung ist nicht mehr aufzuhalten. Zugegeben, manchmal beunruhigt mich das. Manchmal aber überkommt mich auch ein fröhlicher Optimismus: Hey, hier findet eine historische Veränderung statt, da entstehen neue Bedeutungen, neues Bewusstsein, neue Begriffe, neue Vorstellungswelten – und ich bin mitten drin!

 

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