Webinar Weiterbildung
Wunderwaffe Webinar in der Weiterbildung!

Alle Welt gibt nun Webinare. Vorträge via Internet, die live oder zeitversetzt verfolgt werden können. Ich habe mir viele angesehen und bin nicht begeistert.

Ein Webinar für alle Fälle

Ob ich meine Follower verzehnfachen möchte, meinen Umsatz im ersten Geschäftsjahr sechsstellig gestalten, mein Produkt an die verkaufen, die es wirklich interessiert oder als Coach die Menschen finden, die mich brauchen – es gibt für jedes Anliegen ein Webinar, das mir verspricht, mich schnell ans Ziel zu bringen.

Ratz Fatz zum Erfolg?

Verlockend ist dabei vor allem die versprochene Geschwindigkeit. In 45 Minuten mal eben lernen, wie ich erfolgreiche Facebook-Anzeigen gestalte. Nach einer Sitzung wissen, wie ich Werbung in Instagram-Stories platziere. Erfolgreiche Lead-Generierung unter meinen Followern an einem Vormittag. Messenger Marketing in einer Stunde verstehen.

Verdammt schlecht gemacht

Das Webinar sieht dann meist so aus: Ein Mensch ohne Sprech-Ausbildung und ohne didaktisches Konzept schaut eine Stunde schräg unter mir durch, weil er/sie eben nicht in die Kamera, sondern auf den Bildschirm starrt. Auf diesem fuhrwerkt der Mensch dann hin und wieder herum, beweist mir angeblich Thesen oder erklärt mir Funktionen und fuchtelt dabei hektisch mit dem Cursor über den geteilten Bildschirm, dass mir schlecht dabei werden könnte.

Wird mit aber nicht. Weil ich mich nach wenigen Minuten allemal vom Bildschirm verabschiedet habe und Tee koche oder meine Mails lese oder meine Festplatte nebenher aufräume. Hin und wieder schalte ich mich zu, habe dann aber den Faden verloren und schwanke zwischen Frust und Wut.

Noch nie war Werbung so zeitraubend

Am Ende sagt mir der Tutor dann, dass ich mit der Software seines Unternehmens, mit der Long-Version dieses Webinars oder einem Coaching-Programm auf jeden Fall zum versprochenen Erfolg komme.

Ist das Content Marketing? Jedenfalls ist es absolut ineffektiv und ich würde sagen, Werbung hat schon immer genervt, war aber noch nie so zeitraubend wie im Zeitalter von Webinaren.

Ab jetzt werde ich widerstehen – ich schaue mir keine sinnentleerten Webinare von Social Media Heilsverkünder*innen mehr an.

Webinare in der Weiterbildung

Ich habe gerade selbst ein Webinar mit vier über vier Wochen verteilten einstündigen Terminen gegeben.

Und obwohl ich es ungern eingestehe: Es ist kein Weiterbildungswerkzeug, das mich wirklich überzeugt. Mir fehlt das Feedback und ich weiß nicht, was für ein Gewinn es für die Teilnehmenden sein sollte, dass sie mich sehen, anstatt ein gut ausgearbeitetes Paper von mir zu lesen. Da können sie anhalten, aufschauen, nachdenken, ausprobieren. Dann weiterlesen, zurückblättern, Grafiken anschauen, aufstehen, Tee kochen, an der Stelle weiterlesen, wo sie abgebrochen haben.

Sorry, aber ich mache lieber weiter wie bisher!

In meinen E-Learning-Kursen können die Teilnehmenden Fragen im Forum oder über einen Messenger stellen. Meine Antworten sind zeitverzögert, dafür aber gut recherchiert, meine Screenshots orientieren sich dabei an der konkreten Frage.

Mein Kurs-Material umfasst auch einige kurze Erklärvideos, aber das ist etwas ganz anderes als ein einstündiges Webinar, bei dem man eigentlich nur einschlafen oder abschweifen kann, oder?

Für den Echtzeit-Kontakt chatten wir oder – wenn wir nicht zu viele sind, treffen wir uns auch mal in einem Hangout. Bisher war meine Erfahrung immer, dass die Teilnehmenden mit diesem Gruppen-Zusammenhang sehr zufrieden sind und über die Kurse echte kleine Netzwerke entstehen.

Ihr könnt mir gerne widersprechen – aber bei mir sind Webinare didaktisch erstmal durchgefallen. Mangelhaft, setzen!

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