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Hier ein Ausschnitt aus meinem Unterrichtsskript „Einführung in die Social Media“ des Online-Seminars „Von der Online-PR zum Social Media Marketing“. Den Part zur Geschichte musste ich leider streichen, da neue Netzwerke und Marketing-Formate Zeit und Raum beanspruchen, das Modul aber einfach nur sechs Wochen dauert. Also verewige ich meine kleine Geschichte des Web2.0 hier.

Was heute durchgehend als Social Media bezeichnet wird, begann mit dem Begriff Web 2.0.

Dieser findet sich 2004 als Titel für eine Konferenz über die Zukunft des Internets zum ersten Mal erwähnt. Die Konferenz wurde von Tim O’Reilly, Leiter des gleichnamigen Verlages für Bücher über Internet- und Computer-Technik, mit organisiert. Von O’Reilly stammt auch der ein Jahr später veröffentlichte Essay mit dem Titel Web 2.0, der den Begriff ausführlich und in weiten Teilen heute immer noch – und auch für die Social Media – gültig definiert.

Web 2.0 etablierte sich als Begriff sehr schnell und stand jahrelang für eine zweite Generation von Internet-Unternehmen, Internet-Software und Internet-Usern, die das Plattform-Potential des Netzes in den Mittelpunkt stellen. Inzwischen hat sich hierfür der Begriff Social Media durchgesetzt, da dieser den sozialen und kommunikativen Aspekt des modernen Internets besser ins Blickfeld rückt.

Bescheidenheit war nicht die Sache der ersten Internet-Generation, die mit dem Schlagwort New Economy in die Geschichte eingegangen und 2001 mit einem heftigen Börsencrash des Nasdaq untergegangen ist.

Wahnsinn und Visionen, Ungeduld und Selbstüberschätzung prägten sowohl die Unternehmen als auch die Investoren. Das dicke Ende, der Sturz der Aktienkurse im Jahr 2001, dem viele Startups und Internet-Newcomer zum Opfer fielen, ist hinlänglich bekannt.

Seitdem, so heißt es, ist in Internetfirmen der Realismus eingekehrt. Tatsache ist jedoch auch, dass seit 2001 Unternehmen und Webprojekte das Internet prägen, an die 2001 zunächst niemand mehr geglaubt hätte. So hat die Suchmaschine Google die Welt erobert, Amazon ist zum größten Warenhaus und Marktplatz und eBay zum größten Auktionshaus und Flohmarkt weltweit geworden. Die Wikipedia hat das Format des Lexikons und Nachschlagewerks abgelöst, Twitter verbreitet Nachrichten schneller als jede Presseagentur und Facebook verwaltet die Freundschaften von bald zwei Milliarden Menschen weltweit, 30 Millionen davon aus dem deutschen Sprachraum.

Social Media machen Politik – Trumps Präsidentschaft ist ohne sie undenkbar. Jedoch auch  2008 waren es die Social Networks und deren effektive Vernetzungen, die Barack Obama 2008 und 2012 zu seinen Wahlsiegen verholfen haben.

Der Arabische Frühling – die Aufstände und Revolutionen in vielen arabischen Ländern wurde auch als Facebook-Revolution bezeichnet. Die Plagiat-Affairen deutscher prominenter Politiker wären ohne Online-Plattformen und Recherche-Tools, die die schnelle Abgleichung von Text aus Doktorarbeiten mit den Inhalten von Büchern, Zeitschriften und Zeitungen ermöglichen, undenkbar gewesen. Staaten wie die Türkei und China sperren immer wieder den Zugang ihrer Bevölkerung zu Twitter und anderen Netzwerken um die Verbreitung kritischer Inhalte zu verhindern.

Diskussionen über das Internet drehen sich heute neben Fragen des Persönlichkeitsschutzes meistens um die Fragen, wann Online-Medien die klassische Presse ersetzen werden und wie lange es noch dauert, bis YouTube das Fernsehen abgehängt hat. All diese Phänomene werden unter dem Begriff Social Media zusammen gefasst. Er dient für alles, was im Netz irgendwie erfolgreich und neu und laut ist ist.

Die Grundlagen der Social Media, insbesondere die  (potenzielle) Teilhabe aller an Information und Prozessen der Meinungsbildung, wurden 1999 beschrieben.

Im Cluetrain Manifest beschwört die Avantgarde der Internet1.0-Generation mit unglaublich pathetischen Gestus in 95 nach-lutherischen Thesen die Zukunft.

Cluetrain liest sich heute als eine Aneinanderreihung selbstgefälliger Worthülsen in purem Marketing-Slang – allerdings kann man ihm eine visiönäre Weltsicht, die sich in den Social Media tatsächlich bewahrheitet hat, nicht absprechen. Im Februar 2012 blickte das Magazin Brand Eins noch einmal zurück auf das Cluetrain Manifest und seine Folgen und sprach mit zwei der Autoren. Der sehr interessante Artikel lässt sich hier nachlesen:

http://www.brandeins.de/magazin/markenkommunikation/habt-geduld.html
Kurzlink http://bit.ly/1FdjV4i

Das Originalmanifest: http://www.cluetrain.com/auf-deutsch.html (1999).
Kurzlink http://bit.ly/1rQ1zRU

Die wichtigsten Tendenzen im User-Verhalten, die in dem Begriff Web 2.0 zusammen gefasst sind, werden hier bereits benannt. Auch die Vorhersage, dass das Internet die Unternehmenskommunikation bahnbrechend ändern wird, war durchaus richtig. Kein Unternehmen kann es sich noch leisten, in der Kund/innenkommunikation auf das Internet zu verzichten. Zudem sind einige Märkte in den letzten Jahren fast gänzlich ins Internet abgewandert. Beispiele sind der Musikmarkt, die Buchung von Flügen oder der Markt für antiquarische Bücher.

Barack Obama hat vor allem 2008 seinen Wahlkampf konsequent über das Internet geführt, hat Netzwerke aufgebaut, seine Strategien dort transparent gemacht. Seine Wahlhelferinnen haben sich über Plattformen organisiert. Angeblich wurde man 2008 bei einem Besuch der Website von John McCain, Obamas Gegenkandidaten, zunächst aufgefordert, seine Kreditkartennummer für eine Spende anzugeben. Obamas Website hingegen, forderte den Besucher dazu auf, E-Mails an 30 Menschen zu senden, die er kennt und diese davon zu überzeugen, Obama zu wählen … – virales Marketing aus dem Lehrbuch!

Spätestens 2009 sind die Social Media auch in der deutschen Öffentlichkeit angekommen. Im Herbst 2009 wurden Wahlprognosen der Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und im Saarland bereits Stunden vor Schließung der Wahllokale über Twitter verbreitet.

Streng grundgesetzlich betrachtet, hätte die Wahl daraufhin wiederholt werden müssen. Kurze Zeit später wurde die Wiederwahl Horst Köhlers zum Bundespräsidenten über Twitter verbreitet, bevor der Vorsitzende der Bundesversammlung sie verkündete. Spätestens seit diesen Twitter-Leaks haben Politiker, Unternehmen und Presse verstanden, dass die Social Media eine neue Epoche der Informationsverbreitung eingeläutet haben.

Links

Der beeindruckende Aufstieg von Google und die Reservierung der Domain google.com am 15. September 1997 https://www.google.com/intl/de_DE/about/company/history/ (https://goo.gl/s2OQX8)

Studie – Nutzung Social Media in der Politik-PR http://www.politik-kommunikation.de/ressorts/artikel/so-nutzen-politische-kommunikatoren-social-media-1825995289 (http://goo.gl/Nxj3BY)

Politische Kommunikation im digitalen Zeitalter – http://www.deutschlandfunk.de/auf-allen-kanaelen-politische-kommunikation-im-digitalen.724.de.html?dram:article_id=328029 (http://goo.gl/AQOFqq)

Die Geschichte des Web 2.0 und der Social Media
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