Die Apple Watch ist kein Quantensprung

So richtig fetzt das nicht. Samsung, LG, Huawei usw. haben schon länger Smartwatches auf den Markt gebracht und jetzt, nach langer Ankündigung, schießt Apple sein Produkt in diesem Segment nach. Mit dem üblichen Brimborium von Apple Produktvorstellungen wurde gestern die Apple Watch in San Francisco präsentiert.

Die Apple Watch wird sein, was Apple Produkte meist sind: Besser, smarter, schneller, hübscher sexier und teurer als die Konkurrenzprodukte. Ein richtiges Aha-Erlebnis oder unglaubliche Neuinterpretation des Produkts Smartphone war das gestern aber nicht.

Apple ist das erfolgreichste Unternehmen aller Zeiten, Apple hat den Markt der digitalen Geräte x Mal revolutioniert. Und Apple kommt in die Jahre. Vom ersten Aquarium-bunten iMac über iPod, iPhone, iPad bis hin zur Apple Watch scheint es, als habe Apple die Altersgruppe, an die sich die Produkte wenden, immer mehr nach oben verschoben. Daran ändern auch lollibunte iPhones wenig. Und auch wenn die Apple Watch in Werbevideos knalljunge Skater und junge Marathonläuferinnen schmückt – die Uhr als Statussymbol scheint doch eher ein Ding fortgeschrittenerer Altersgruppen.

Apples Eintrittskarte in die Versicherungsbranche?

Was zeichnet die Apple Watch aus? Sie kann den Puls und Blutdruck messen, Kalorien und Schritte zählen, Terminerinnerungen, bei der Orientierung helfen, das Garagentor öffnen und bei der Orientierung helfen. Und es gibt sie neben einer günstigen Variante aus Alu (ca. 400 Euro) oder Edelstahl auch im Goldgehäuse für ca. 11.000 bis 18.000 $. Die offiziell anvisierte Zielgruppe sind also gut verdienende Menschen in jungen und den besten Jahren.

Mit der Apple Watch würde Apple dann die Strategie weiterverfolgen, die sich schon seit einiger Zeit zeigt: Auf den Gesundheitsmarkt setzen und damit den riesigen Markt der Krankenversicherungen erobern. Blutdruck, Kalorien und gejoggte Strecken werden gespeichert und sind Informationen, mit denen Apple selbst oder ein Partner aus der Versicherungsbranche dann risikominimierte individuelle Krankenversicherungen anbieten. Versicherungen, die dann, wenn das Risiko steigt – d.h. die Kalorien mehr, die Schritte weniger und der Blutdruck schlechter wird, also dann, wenn absehbar ist, dass die Versicherte sie braucht – gekündigt oder verteuert werden.

Die Apple Watch als Hausnotruf-Handsender

Mir drängen sich aber auch andere Szenarien als junge Business-Menschen oder Trendsport-Aktive vors innere Auge: Die Apple Watch für die Silver Surfer, wenn erste Gebrechen sich zeigen:

  • Messung von Puls und Blutdruck – super, genau das brauchen viele, wenn Herz und Kreislauf mucken
  • Ernährungskontrolle – das Produkt für Altersdiabetes
  • Terminerinnerungen – haben Sie auch Ihre Tabletten genommen?
  • Orientierung – die kann man schon mal verlieren, wenn das Gehirn ein wenig schwächelt
  • Garagentor öffnen – nur relevant für Menschen mit Eigenheim und Garage, häufiger anzutreffen bei älteren Generationen
  • Goldgehäuse – nicht ganz das Statussymbol junger Menschen

Das kann zweierlei bedeuten. Entweder Apple kommt in die Jahre und es deutet sich vorsichtig an, dass das Unternehmen den Anschluss an hippe Produkte für hippe Zielgruppen verliert. Oder Apple hat genau die älteren Zielgruppen im Blick und das Produkt genau für diese entwickelt – weil das ein ganz enormer Markt ist, der in allen alternden Industriestaaten in den nächsten Jahren enorm wachsen wird.

Apple cares for you. Apple is watching you.

Die Apple Watch als Entlastung für die pflegende Verwandtschaft und Pflegepersonal, die Apple Watch als Hilfsmittel für alternde Menschen, um sich bei schwächer werdender Gesundheit die Selbstständigkeit noch ein wenig länger zu bewahren. Die Apple Watch als Einstieg in eine neue Produktserie für die Generation an der Schwelle zum Alter – die moderne Form des Notruf-Piepers für betuchte Gebrechliche.

Und wenn letzteres der Fall ist, muss ich sagen: Chapeau! Die Apple Watch könnte doch der große Coup sein! Zukunftsorientiert, innovativ – und ganz anders, als man vermutet hätte.

 

 

Apples Abschied von der Jugend: Apple Watch
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