Alle mögen’s kuschlig in den Netzwerken

Wer bei Facebook eine Seite betreibt, kennt das Phänomen:

Hinweise auf Dienstleistungen, Produkte, Neuerscheinungen, Verbesserungen, gute Kritiken, neue Entwicklungen der eigenen Produkte etc. werden von den Fans oft schnöde ignoriert, wenig geliked und selten kommentiert.

Kaum postet man jedoch aus dem Nähkästchen, zeigt Privates, postet Fotos von Sekt und guter Laune oder kleinen Unglücken wie einem umgestürtzten Regal, einer Überschwemmung nach Rohrbruch in der Küche, das Plüschtier auf dem Schreibtisch des Kollegen oder den Miniaturporsche auf der Ablage der Kollegin – dann hagelt es Likes und Kommentare.

Was sagt uns das? Dass die Verdummung heute im Gewand regressiver Privatisierung daherkommt? Dass alle in der digitalen Welt auch nur kuscheln möchten? Dass Content out ist und Emotion in?

Niemand mag Werbung

Kann sein, kann aber auch ganz anders sein:

Vielleicht sind Facebook-User und Nutzer/innen anderer Netzwerke einfach der permanenten Werbebotschaften überdrüssig. Der mehr schlecht als recht pseudo-objektiv verpackten Botschaften, die gar zu deutlich auf ein Produkt zielen und dieses anpreisen möchten. Die Message, dass, wer eine erfolgreiche Facebook-Seite betreiben möchte, ernsthaft Kommunikation betreiben muss (die durchaus auch witzig sein kann) und nicht die immer gleichen Werbebotschaften neu bemänteln sollte, scheint im Marketing-Alltag doch gar zu schnell zu verwässern.

Die Bilder von Sektfrühstücken, schlafenden Kollegen, Sonnenuntergängen hinterm Bürofenster etc. werden vielleicht weniger wegen ihrer wertvollen Inhalte geliebt, sondern auch wegen ihrer werbeverweigernden Botschaft und der Geschichten, die sie erzählen oder erahnen lassen.

Kommunikation ist PR-Kernkompetenz

Dem steht entgegen, dass die Social Media Kommunikation in Unternehmen – auch in Verlagen – immer mehr von den PR-Abteilungen in das Marketing abgewandert ist. Seltsam eigentlich, da das Content-orientierte Sprechen, das erst sich erst in zweiter Linie an den unternehmenseigenen Produkten, in erster Linie aber am für das Gegenüber wertvoller Information orientiert, eigentlich zu den Kernkompetenten der klassischen PR gehört.

Gleichzeitig quälen sich PR-Abteilungen mit klassischer Pressearbeit, die an Bedeutung verliert, schlagen sich mit reduzierten Redaktionen und Seitenzahlen vieler Zeitungen herum und erleben mit, wie ihr Arbeitsfeld an Bedeutung verliert. Aber warum? Warum lassen sich so viele PR-Abteilungen die Butter vom Brot nehmen und lassen zu, dass die Social Media mit oft zweifelhaftem Erfolg vom Marketing bedient werden?

Mehr Content, weniger Plüschtiere – mehr Kommunikationskompetenz, weniger Werbung – über ein paar neu gedachte Social Media Strategien z.B. in der Buchbranche wäre nicht nur ich entzückt.

Best Practice kann gern in den Kommentaren gepostet werden.

Ach – und was Lara hier soll? Die ist unser Büro-Maskottchen, Power statt Plüschtier!

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